Ein Beitrag zum Klimaschutz im Bauwesen.

Lärchenholzfassade
Fassadendetail: Unbehandeltes Lärchenholz, aus heimischen Wäldern

Holz als Baustoff. Ein natürliches Material, mit einem Beitrag zum Klimaschutz.

Holz als Baustoff – so das heutige Thema auf unserem Blog. Das Gefühl wenn man im Wald herumspaziert, einen tiefen Atemzug nimmt und die frische Luft genießt, die nach Wald und Moos duftet, vielleicht auch nach frischem Harz, das beim Fällen eines Baumes entsteht – wahrscheinlich breitet sich bereits beim Lesen dieser Zeilen ein entspanntes und wohliges Gefühl aus, zumindest ist das bei mir so. Holz hat eine ganz besondere Wirkung, es fühlt sich warm an, riecht gut, gibt einem ein richtig gutes zu Hause Gefühl und ist außerdem ein Baustoff, der dem Klima nicht schadet. Ganz im Gegenteil.

Falsche Geschichten die uns bereits als Kind erzählt werden

In unseren Köpfen tief verankert, ist irgendwo die Geschichte von den drei kleinen Schweinchen zu finden. Der böse Wolf bläst das Haus aus Stroh und dann das Haus aus Holz einfach so weg. Nur das massiv gebaute Haus aus Ziegeln steht dem mächtigen Pusten des Wolfes stand. Demnach haben wir den Jackpot gewonnen mit unserem Haus aus Holz und Stroh, oder nicht? Aber nein, natürlich nicht. Denn solche Geschichten sind einfach nicht wahr, dennoch begleiten sie uns unterbewusst. Denkt doch einfach an alte Holzhütten, die seit Jahrzehnten in den Bergen stehen und keinerlei Anschein von Unbeständigkeit mit sich bringen. Ein Holzhaus ist vielmehr die Antwort auf aktuell so wichtige Themen wie etwa der Klimawandel, der täglich an unsere Tür klopft. Gerade die Baubranche ist eine ständig wachsende, vom Einfamilienhaus hin zum Wohnbau, in urbanen oder ländlichen Gegenden.

Unteransicht Holz Dachstuhl
Der Terrassenbereich, an der Decke kommt Fichentholz zum Einsatz und an der Fassade und den Terrassenbereich Lärchenholz

Ein Blick auf den Bausektor in Österreich

In Österreich wurden 2018 ca. 6. Mio. m2 Fläche bebaut. 5,5 Mio. m2 wurden davon für Neubauten genutzt, eine Fläche, die zuvor noch unverbaut war. In Österreich wurden laut der Auswertung von Statistik Austria im Jahr 2018 23.129 neue Gebäude errichtet, vergleicht man dies mit den vorangegangenen Jahren, ist eine Steigung ersichtlich. (Quelle: Statistik Austria)

Es werden jährlich also eine Menge Gebäude gebaut. Wenn man sich so umsieht, ob am Stadtrand, in der Stadt oder in ländlicher Gegend, fällt auf, dass zwar immer mehr Holzbauten gebaut werden, überwiegend kommen jedoch andere Baustoffe zum Einsatz. Genau deshalb dachte ich mir ich schreibe hier ein paar Zeilen über Holz als Baustoff sowie über die Vorzüge des Materials und wie man sich aktiv am Klimaschutz im Bauwesen beteiligen kann.

Klar zu sagen ist natürlich, dass es am besten ist einfach kein Haus zu bauen, oder ein altes Haus zu sanieren, so wird der Umwelt am wenigsten geschadet, wenn man sich jedoch entschließt neu zu bauen, dann kann man das auch ziemlich durchdacht machen, ohne einen riesen großen CO2 Fußabdruck zu hinterlassen.

Vorurteile über Holzhäuser

Über unser Holzhaus habe ich schon so einiges berichtet, heute soll es sich ausschließlich um Holz als Baustoff drehen. Ich verlinke euch im Anschluss gerne noch ein paar weiterführende Artikel zu unserem Ökohäuschen.

Daher starte ich am besten mit einigen Vorurteilen, denn die gehören aus dem Weg geräumt. Ein Holzhaus brennt schnell oder ist nicht resistent gegenüber Umwelteinflüssen – Nope!

Wird ein Holzhaus richtig gebaut, wird dieses noch vielen Generationen Freude spenden. Unser Haus schwebt zum Beispiel völlig in der Luft, es wurde so konstruiert, dass immer genügend Luft von allen Seiten zu den Bauteilen gelangen. Schimmelgefahr oder vermodertes Holz sind hier definitiv kein Thema vor dem man sich fürchten muss. Das beste Beispiel ist immer noch Venedig, die gesamte Stadt steht auf Holzpfählen, unter Wasser (!) und das schon so richtig lange.

Was die Brandgefahr betrifft so brennt zwar ein Stück Holz garantiert besser als ein Stein, aber betrachtet man massiv gebaute Häuser, meist mit Vollwärmeschutz, also mit einer schönen Portion Erdöl ummantelt, dann sieht das mit der Brandgefahr gleich ganz anders aus. Der Baustoff Polystyrol gilt zwar als schwer entflammbar, sobald das Material jedoch zu brennen beginnt, entsteht ein flüssiges und giftiges Gemisch, das den Löschvorgang enorm erschweren kann, die Dämpfe, die dabei austreten, sind hier noch völlig unbemerkt. Ich will hier auch nicht länger über das Thema Brandgefahr plaudern, jedoch aufzeigen, dass es einfach mehrere Faktoren gibt, die mitbedacht werden sollten, wenn man sich für ein Baumaterial entscheidet. Für uns war es wichtig, einen natürlichen Baustoff zu verwenden, nicht ein Material, das immer einer negativen Eventualität bei der Gewinnung unterliegt, wie etwa die Verseuchung oder Verschmutzung ganzer Meere mitsamt deren Bewohnern oder dem Fakt gesamte Landbereiche unbewohnbar zu machen. Hierzu lege ich euch mal wieder die Lektüre von Die Grünen Lüge von Kathrin Hartmann besonders ans Herz.

„Pflanze einen Baum und du kompensierst CO2“ Was steckt dahinter?

Jetzt aber zu einigen positiven Facts, nämlich was Holz als Baustoff so alles kann. Immer wieder kommt mir beim Lesen von Artikeln oder beim Kaufen von irgendwelchen Produkten die Option des „Pflanze einen Baum“, „Beim Kaufen des Artikels wird ein Baum gepflanzt“ unter. Warum ist das Pflanzen von Bäumen so wichtig? Ganz einfach, weil Bäume und ganze Wälder den CO2 Ausstoß, den wir alle durch unseren Lebensstandard produzieren, kompensieren.

Ein Baum filtert Kohlenstoffdioxid aus der Luft und bindet dieses und gibt wiederum Sauerstoff an die Umgebung ab. Ein Baum speichert das CO2 solange, bis das Holz beispielsweise verbrannt wird. Verbaut man das Holz jedoch, bleibt auch das CO2 gebunden und tritt nicht wieder aus und außerdem kann ein neuer Baum wachsen, der erneut CO2 filtert und bindet.

Türzarge aus Holz
Detail unserer weiß geölten Türzarge, auf dem Weg ins Schlafzimmer

Mit einem Holzhaus wird CO2 langfristig gebunden

Mit einem Holzhaus, so kann man sagen, wird das Kohlenstoffdioxid langfristig gebunden, vergleicht man die CO2 Bilanz mit der Herstellung anderer Baustoffe, sieht die Rechnung nicht mehr so top aus, da rein die Herstellung von z.B. Ziegeln besonders viel CO2 fordert, so werden diese mit hohem Energieaufwand gebrannt und hergestellt. Zur Veranschaulichung eine Beispielrechnung, die ich bei holzistgenial.at  entdeckt habe:

1 Quadratmeter Außenwandaufbau in Massivholz erspart unterm Strich (CO2-Bindung im Holz minus CO2-Emissionen in der Herstellungsphase) ungefähr jene Menge CO2, die ein vergleichbarer Wandaufbau aus Beton im Gegenzug verursachen würde.

CO2-Bilanz von 1 Quadratmeter Außenwandaufbau:

Massivholz      - 88 kg CO2
Holzrahmen    - 45 kg CO2
Ziegel              + 57 kg CO2
Beton              + 82 kg CO2


Quelle: holzistgenial.at

Hier ist die Rede von nur einem Quadratmeter, bei einem Einfamilienhaus kommt hier schon ganz schön was zusammen, wenn man sich das so durchrechnet. Hinzu kommen dann noch andere Faktoren wie etwa die Dämmung, in unseren Wänden befindet sich Einblasdämmung aus 100% Weizenstroh, ein Sowieso-Produkt das nach der Ernte anfällt. Die Gedanken können bis ins letzte Detail eines Hauses weitergedacht werden.

Unser Holz Fussboden
Ein kleiner Barfuß-Spaziergang auf unserem Naturholzboden

Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Was heißt es, Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu beziehen? Das heißt, es wird nur so viel Holz verarbeitet, wie auch wieder nachwachsen kann. In Österreich sind rund 48% der Fläche mit Wald bedeckt, das sind ca. 3,4 Milliarden Bäume. (Quelle: Proholz)

Von diesem Holzanteil wird jährlich nur ein Bruchteil für bauliche Zwecke verwendet. Es wächst also mehr Holz nach als benötigt wird. Das heißt es könnten so viel mehr Gebäude aus Holz errichtet werden.

Wo kommt das eigentlich Holz her, welches wir verbauen?

Das ist ebenfalls ein wichtiger Tipp beim Thema Hausbau und bei der Verwendung von Holz als Baustoff: Erkundige dich wo dein Holz herkommt, wird dort auf eine nachhaltige Forstwirtschaft geachtet oder ebenso auf den Lebensraum von Tieren. Besonders bei Tropenholz sollte man einen äußerst kritischen Blick auf die Produktion werfen. Erstmals stellt sich hier ohnehin die Frage, warum sollte man Holz aus Wäldern beziehen, die sich gefühlt am anderen Ende Welt befinden, wenn vor unseren Haustüren so viel davon vorhanden ist. Oft wird der Lebensraum vieler Tiere zerstört und dass die Regenwälder unverzichtbarer Bestandteil für unser Klima sind, sollte man sich ebenfalls vor Augen führen.

Unser Wohnzimmer in Holz
Unser Haus aus Holz, von der Konstruktion bis zur Einrichtung, ein Material das sich durchzieht

Wie funktioniert das mit der CO2 Bilanz, wenn man Holz verbrennt

Unseren Wohnraum beheizen wir lediglich mit einem Grundofen, also einem zentral im Wohnraum platzierten Kachelofen. Zum einen ist das für uns ein Schritt in Richtung Autarkie und zum anderen müssen wir sehr wenig heizen, aufgrund der südlichen Ausrichtung des Hauses und der guten Wärmedämmung. Unser Holz beziehen wir ca. 5 Minuten von uns entfernt von einem Bauern. Das Holz, das während der Wachstumsphase CO2 gebunden hat, stößt dieses beim Verbrennen wieder aus. Somit kann man von einer CO2 Neutralität sprechen. Das was an CO2 gebunden wurde, wird beim Verbrennen wieder abgegeben.

Terrassen Dielen aus Lärche
Der überdachte Terrassenbereich aus unbehandelter Lärche

Holz in unserem Wohnraum. Ein Überblick.

Unser Haus ist ein Holzriegelbau, realisiert von einem Familienbetrieb aus Niederösterreich. Es wurde sich für uns und unsere Wünsche Zeit genommen, das Holz stammt aus heimischen Wäldern und wurde mit Bedacht ausgewählt. So ist zum Beispiel unsere gesamte Fassade und auch die Terrasse aus heimischen Lärchenholz.

Im Wohnraum selbst befindet sich viel Fichtenholz, wie etwa an der Decke, die als Sichtdecke geplant und realisiert wurde.

Architektur Detail
Unser Ökohäuschen aus Holz

Der Boden, den wir in Eigenleistung verlegt haben, ist ein Naturholzboden aus Admont, das Barfußgefühl auf einem Holzboden ist übrigens unvergleichbar und fühlt sich immer besonders warm an.

Second Hand Stuhl
Der Naturholzboden zieht sich durch unsren gesamten Wohnraum

Unsere Innentüren, passend zum Boden ausgesucht, nämlich mit einer wunderschönen Eichenoberfläche, die lediglich geölt wurde, fügen sich besonders gut in den Wohnraum ein. Das Holz, welches für die Türen verwendet wurde, unterliegt strenger Kontrollen und ist FSC und PEFC zertifiziert. Vom Fällen des Baumes, bis hinein in unser Haus, kann der gesamte Produktions- und Verarbeitungsprozess nachverfolgt werden. Bei unserer Türenwahl durften wir sogar einen Blick in die Produktion werfen.

Tür eingebau
Türen aus Holz, geölt und alle für sich individuell, das macht Holz für mich persönlich besonders schön!

Unser toller DIY Linoleum Tisch, bedient sich als Grundlage einer Holzplatte, genauso wie der selbstgebaute Waschtisch im Badezimmer aus Bambus. Ein paar alte Obstkisten, die wahrscheinlich schon fast so alt sind wie ich, eignen sich super als Schuhablage und selbst die Wandknöpfe in unserer Garderobe sind aus Holz. Holz ist definitiv ein Baustoff der in unseren vier Wänden nicht fehlen darf, von der Konstruktion des Hauses bin zu den Türen, ob sichtbar oder hinter den Wänden versteckt, das Wohngefühl in unserem Haus würde ich nicht mehr missen wollen!

Ich verlinke hier noch unsere verbauten Materialien und Produkte die ich besten Gewissens empfehlen kann!

Türen aus Holz von DANA

Naturholzboden von ondo

Unser Zimmermeister des Vertrauens, die DPM Gruppe

Und falls ihr Lust habt, gibt es hier noch den Rundgang durch unser Haus, wo die ganzen Materialien nochmal gut sichtbar sind: Ein Spaziergang durch unser Ökohaus