Hundefutter – Das ganz ohne Fleisch!

Was soll so alles im Hundenapf landen? Im Gespräch mit der VeggieDog Spezialistin:

Dass unsere Hunde kleine Feinschmecker sind und nur das Beste im Napf auch Beachtung bekommt, machten sie uns sehr schnell klar. So haben wir auch ziemlich bald den Weg zu Green Petfood gefunden. Noch bevor die Entscheidung zum kleinen Vierbeiner gefallen ist, haben wir uns erstmals gründlich über die Ernährung informiert und uns entschlossen unsere Hunde mit vegetarischem bzw. veganem Futter zu füttern. Natürlich immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es den Wauzeln auch schmecken muss. Da wir mittlerweile schon seit ca. 5 Jahren mit unseren Veggie Dogs zusammen wohnen, ist schon so einiges an Unverständnis und Argwohn zu uns durchgedrungen. Und daher der Entschluss: Fragen wir doch mal die Expert*innen was vegetarisches Hundefutter anbelangt. Letzte Woche durfte ich dann ein aufschlussreiches Gespräch mit Yvonne von Green Petfood führen:

Hallo Yvonne, super dass du uns heute so einige Fragen rund um eure Futterpakete beantwortest. Ich starte am besten gleich mal los:

Die große Frage gleich zu allererst: Warum gerade vegetarisches Hundefutter? Wie kam der Entschluss dazu?

Hallo Andrea :). Wo beginne ich am besten. Der Geschäftsführer von Green Petfood Klaus Wagner strotzt seit jeher nur so vor Ideen und hat täglich ungefähr 20.000 Gedankengänge rund um das Thema Nachhaltigkeit (schmunzelt). 2013 war es dann so weit und die Marke Green Petfood wurde gegründet. Diese gehört übrigens der Erbacher the food family an. Rezept- und Produktentwicklung für Mensch und Tier gehören sozusagen zum täglichen Ablauf der Erbacher the food family.

Ein Hund ist kein Wolf

Trends die besagen, dass der Hund wie ein Wolf ist, sind mittlerweile sehr umstritten. Das es auch andere Lösungen geben muss um einen Hund mit den nötigen Vitaminen und Ballaststoffen zu versorgen, war Klaus Wagner schon lange ein Anliegen. Mit Green Petfood konnte dieses realisiert werden. Zuerst wurden Produkte mit weniger Fleisch entwickelt und unter dem Namen FlexiDog auf den Markt gebracht – Gegen den Trend, aber im Sinne der Umwelt. Diese Produktinnovation lief sehr schleppend und die Menschen nahmen den Gedanken nicht so richtig an. 2014 dann war es so weit, das erste vollständig vegetarische Hundefutter kam auf den Markt, das Veggiedog 100, was mittlerweile unter dem Namen VeggieDog Grainfree erhältlich ist. Da war er nun, der entscheinde Schritt der bei Flexidog gefehlt hatte.

Die Message war dieses mal klar: Reines vegetarisches Hundefutter für meinen Vierbeiner.

2015 wurde dann die Marke neu definiert, es gab ein Redesign der Verpackung, welche übrigens gänzlich abbaubar ist und weitere neue Maßnahmen wurden getroffen.

Hundefutter neu gedacht! Eine Frage die uns vor allem beschäftigte war:
„Wie kann man Hundefutter neu denken und damit die Gesellschaft bewegen?“

Wie man Hundefutter neu denken kann gelang uns zum einen mit zwei vegetarischen Produkten und zwei neuen Futtersorten mit Insektenprotein.

2015 kam ebenfalls die Entscheidung zu FarmDog, bestehend aus Hühnerfleisch von artgerechter Haltung.

Unsere beiden Hunde erhalten immer schon euer getreidefreies Veggiefutter – was ihnen übrigens super schmeckt, wir zwingen ihnen das absolut nicht auf. Beide sind gesund aber immer wieder erntet man deswegen skeptische Blicke oder wird sogar der Tierquälerei beschuldigt. Was meinst du dazu?

Immer wenn mir jemand mit dem Argument kommt, dass der Hund ein Wolf ist, muss ich an Paris Hilton denken (lacht). So soll also der Wolf 2018 aussehen, wohl eher nicht. Aber Spaß beiseite, es ist mittlerweile bereits einige Jahre her das mit dem Hund und dem Wolf. Evolutionstechnisch gehören diese zwar zusammen, aber der Hund lebt bereits seit vielen Jahren mit dem Menschen zusammen und wurde dahingehend immer weiter domestiziert und hat sich immer mehr angepasst. Denkt man zum Beispiel auf die Nachkriegszeit, wo selbst die Menschen wenig Fleisch zur Verfügung hatten, da gab es natürlich auch für die Hunde oft das, was gerade vorhanden war. Der Trend zur reinen Fleischfütterung ist erst mit der Wohstandsgesellschaft richtig entstanden.

Wir wollen ja auch nicht sagen das Fleisch schlecht ist, wovon wir aber überzeugt sind ist, dass es nicht sein muss. Die wichtigen Aminosäuren die der Hund benötigt können auch aus anderen, pflanzlichen Quellen bezogen werden.

„Dein Hund riecht ja so frisch!“
„Dein Hund riecht ja so frisch!“
„Dein Hund riecht ja so frisch!“
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Was mir persönlich schon oft aufgefallen ist: Die meisten Leute sind immer recht erstaunt, dass unsere Hunde so gut riechen, bzw. so wenig nach „Hund“ riechen :). Habt ihr da Erfahrungen? Meine Vermutung ist natürlich das Futter, da beide zwei komplett unterschiedlichen Rassen angehören.

Das hören wir echt oft. Auch das die Hunde generell nicht wirklich riechen, ebenso aus dem Maul nicht. Das liegt vorallem an den hochwertigen Zutaten die in unser Veggie Futter reinkommen, aber eben auch an dem Verzicht von Fleisch. Am Ende ist es wie beim Menschen – Du bist was du isst, wo sich eine mangelhafte oder ungesunde Ernährung schnell auf die Haut und das Wohlbefinden auswirken kann.

Es fällt auf, dass ihr bei der Futterzusammenstellung besonders auf die Zutaten achtet die in euer Veggie Futter rein kommen. Wie ergeben sich diese Inhaltsstoffe? Arbeitet ihr mit Experten zusammen?

Unsere Rezeptur ist an sich recht schlank. Generell muss man bei der Hundefutter-Zusammenstellung darauf achten, dass bestimmte Nährstoffnormen eingehalten werden. Alles was reinkommt muss den Bedarf des Hundes decken. Somit dürfte vegetarisches Futter überhaupt nicht verkauft werden, würde es dieser Norm nicht entsprechen. Woher man in der Zusammenstellung bestimmte Nährstoffe bezieht ist relativ frei. Gewisse Inhaltsstoffe wie Aminosäuren, Kohlenhydrate und Proteine müssen im Futter enthalten sein. Als Beispiel füttert man beim BARF gezielt Obst & Gemüse hinzu, die helfen um das benötigte Aminosäurenprofil aufzubauen.

Wieso nur 99.9% vegan?

Eine klare Entscheidung für den Hund war die Vitamin D3 Zufuhr, die auf Basis von Wollfett hergestellt wird. Auch der Hund braucht ähnlich wie der Mensch Vitamin D was dieser über die Ernährung aufnimmt. Leider gibt es alternativ kein veganes Vitamin D3 bei dem wir garantieren können, dass dieses auch bei der Produktion und Lagerung erhalten bleibt – Da Vitamin D sehr instabil ist. Dieses Risiko möchten wir nicht eingehen, daher die Entscheidung zu Vitamin D3 auf Basis von Wollfett. Für die Futterherstellung werden übrigens alle Zutaten miteinander vermischt und anschließend schonend mit Wasser zu einem Brei vermengt und erwärmt. Anschließend wird der "Teig" mit Druck durch eine Düse gepresst, welche die Kroketten aufbläht. Dadurch wird die Stärke in den Kroketten aufgeschlossen und das ganze Futter sehr leicht verdaulich gemacht (z.B. das Kartoffeleiweiß).

Wie sieht es mit Futter für kleine Hunde oder für Welpen aus, habt ihr da zukünftig etwas geplant?

Ideen gibt es natürlich, diese brauchen aber Zeit. Was die kleinen Hunderassen betrifft, so sind unsere Futtersorten so konzipiert, dass sich die Futterstückchen leicht brechen lassen und damit kein Problem für kleine Zähne darstellen. Ausschließlich das  FarmDog Mini Grainfree Futter verfügt über kleine Futterstückchen, dieses hat übrigens eine Doppelfunktion, es dient als Aufzucht aller Rassen und ist ab der achten Woche fütterbar (da hier ein erhöhter Grundumsatz benötigt wird), kann aber gleichzeitig auch allen kleinen Hunderassen gefüttert werden.

FarmDog Active Grainfree für besonders sportliche Hunde

Für den Sportbereich bietet sich unser FarmDog Acitve Grainfree besonders gut an.

VeggieDog für Welpen?

Unser VeggieDog Futter ist eigentlich nicht für Welpen konzipiert. Welpen benötigen ein höheres Calcium-Phosphor Verhältnis für das Wachstum und die Stabilität der Knochen. Der Energiegehalt muss so konzipiert sein, dass der Hund nicht zu schnell in die Höhe schießt aber trotzdem seinen Wachstumsbedarf gut decken kann. Hier raten wir auf jeden Fall lieber zum speziellen Aufzuchtmittel.

Die Linie Insect Dog finde ich persönlich ja besonders spannend, vor allem gibt es doch sehr viele Hunde die mit Allergien kämpfen. Welche Erfahrungen habt ihr damit bereits gemacht?

Vorallem im Bereich der Humanpolitik wird die Nahrungsmittelknappheit immer mehr zum Thema. Wie es zukünfitg mit der Ernährung weitergehen wird ist eine recht strittige Diskussion. Insekten als Superfood und Nahrung der Zukunft sind ja bereits ein gegenwärtiges Thema und so auch bei der ausgewogenen Ernährung für den Hund interessant.

Wie du bereits erwähnt hast, ist es parallel zum Menschen, auch beim Hund so, dass Allergien immer häufiger werden. Man weiß allerdings nicht so genau woher das wirklich kommt, ob zucht- oder ernährungsbedingt. Zum Beispiel der Trend zur getreidefreien Fütterung. Viele meinen der Hund kann kein Getreide fressen, das stimmt so nicht, es kommt auf die Getreideart an, ob er es verdauen kann. Die Enzyme dafür sind auf jeden Fall vorhanden, auch Wölfe haben sich nicht ausschließlich von Fleisch ernährt. Getreide ist ebenso ein bestimmter Trend und wird von vielen ab Welpenalter vom Ernährungsplan für den Hund gestrichen, die Folge kann oftmals eine entwickelte Sensibilität sein. Ähnlich wie mit Kindern die nicht im Schmutz spielen durften. Allergien und Unverträglichkeiten entstehen meist auf Proteinstrukturen. Insekten sind eine Proteinquelle, mit der der Hund meist noch keinen wirklichen Kontakt hatte, im Vergleich zum Rind, Schwein oder Geflügel.

Artgerechte Insketenfarmen in Holland und Frankreich

Wir beziehen unsere Insekten aus Holland und Frankreich. Dort gibt es eigene Zuchtfarmen, wir waren natürlich auch vor Ort und haben die Produktion genau unter die Lupe genommen, bevor wir uns dazu entschieden haben. Die Insekten wachsen in wohlig warmen Kästen auf Nährboden auf, mit vielen anderen Insekten – Die mögen dieses Gewusel und die Haltung ist demnach auch artgerecht. Als passendes und nährstoffreiches Futter bekommen sie alte Bananen und Ananasreste, diese verwerten sie und machen Proteine daraus. Bevor sich die Insekten verpuppen werden sie mit kaltem Wasser betäubt, was soviel heißt, dass die Temperatur soweit heruntergekühlt wird, dass sie einschlafen. Anschließend wird das Wasser und Öl abgesondert und der Rest getrocknet und zu Mehl vermahlen. Die Insekten wachsen recht schnell – ein kompletter Wachstumszyklus eines Insekts dauert ca. 12 Tage. Der Nährboden wird übrigens als super Dünger verwendet.

Was die Hunde betrifft so sind viele Rassen sehr anfällig für Allergien, zum Beispiel Doggen, Dalmatiner – Oft Hunde mit kurzem Fell. Wir haben schon von vielen unserer Kund_innen sehr positive Rückmeldung bekommen, vorallem wurde uns auch von Hunden berichtet die schon viele Möglichkeiten ohne Erfolg „durch hatten“. Das InsectDog findet viel Zuspruch.

Seit Neuestem habt ihr auch ein Produkt mit Tierschutz Hühnchen im Angebot. Wie kam diese Entscheidung? Wiederspricht das nicht ein wenig eurer Veggie-Philosophie?

Ähnlich wie auch beim InsectDog war uns der Ansatz wichtig, dass die Menschen bewusster kaufen und auf Qualität achten. Es wird oft billig gekauft und nicht nachgedacht. Für uns stellte sich die Frage ob wir ein biologisches Produkt auf den Markt bringen sollen, wir entschieden uns aber bewusst dagegen, da es einfach mit diesem Anspruch oftmals für viele zu teuer wird. Die Herausforderung die wir bei der Entwicklung sahen war es, eine praktikable und bezahlbare Lösung zu entwicklen und Schritt für Schritt die Welt etwas grüner zu gestalten. So haben wir versucht einen Mittelweg zu finden und eine Verbesserung für viele Hühnchen zu schaffen.

Was die Reaktion unserer Käufer_innen betrifft, sind die Meinungen sehr kontrovers und zwiegespalten. Manche Vegetarier und Veganer finden als Beispiel das Insektenfutter vertretbar, andere wiederum nicht. Beim FarmDog haben wir sicher einige Kund_innen verloren, andere wiederum sehen es positiv, da es eine Alternative bietet. Wir setzen uns aber bewusst auch mit kontroversen Themen auseinander, denn jeder Schritt zählt. Wir wollen auf keinen Fall jemanden ausschließen weil er eine andere Überzeugung oder nicht das nötige Kleingeld hat. Damit wir die Welt gemeinsam etwas grüner gestalten können, ist unser Ausgangspunkt die Ernährung, dass muss nicht gleich heißen, dass ich auf vegane, vegetarische oder Produkte mit Insekten Protein zurückgreifen muss, es hilft schon den Fleischkonsum zu reduzieren, zu überdenken oder nach artgerechteren Lösungen zu suchen.

Wir wollen Bewusstsein schaffen, aber niemanden ausschließen!

Wichtig ist uns vor allem Bewusstsein zu schaffen. Wobei mir gleich eine kleine Anekdote einfällt. Mein Vater, der einen recht übergewichtigen Hund hatte, hat das VeggieDog Light von mir bekommen – Was übrigens Wirkung zeigte. Natürlich bekommt mein Vater aufgrund meiner Passion so Einiges mit. Erst vor Kurzem hat er mit erzählt, dass er einen Schweinetransporter – Bei der von artgerechtem Transport wenig die Rede sein konnte – abgeknipst hat und Tierschutz und Veterinärarzt verständigt hat. Das ist genau das was wir mit Green Petfood auch wollen – die Menschen zum Nachdenken anregen. Es ist nicht die einzige Futteroption, aber man macht sich Gedanken.

Habt ihr schonmal überlegt auch für Katzen ein vegetarisches Sortiment aufzubauen?

Beim Hund funktioniert die vegetarische Ernährung super. Bei der Katze sehen wir das anders. Die Katze ist im Vergleich zum Hund eindeutig als Canivore einzustufen. Im Besonderen braucht sie Taurin, das kann man zwar ersetzen, aber sehr schwierig. Es müsste ein Alleinfutter erzeugt werden, das die Katze optimal versorgt, das ist aber sehr schwierig in diesem Fall.

Wir haben erfahrene Ernährungswissenschaftler mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten und die sich auskennen. Beim Hund funktioniert die vegetarische Ernährung einwandfrei. Oft kommen zwar Aussagen von Tierärzten die davon abraten, jedoch vergleichen wir diese gerne mit Allgemeinärzten ohne Spezialisierung, um eine wirklich professionelle Meinung zu bekommen sollte man einen auf die Ernährung spezialisierte_n Veterinärmediziner_in aufsuchen.

Aber gut soviel kann gesagt werden, ein paar Ideen stehen auch für die Kätzchen schon in den Startlöchern.

Wow das war ja ein sehr aufschlussreiches Interview. Hast du noch irgendwelche abschließenden Worte?

Ich glaube die Idee hinter Green Petfood konnte ich recht gut vermitteln. Unser Motto: Greenify our future – nicht nur auf Futter bezogen. Vegetarisch ist ohne Probleme möglich und unserer Meinung nach der Königsweg. Für andere Wege müssen Tiere sterben, auch der umweltfreundlichere Weg ist der Vegetarische, bedenkt man die Inhaltsstoffe. Aber das Wichtigste: Die Menschen sollen sich informieren, damit auseinandersetzen und eine bewusste Entscheidung treffen.

Green Petfood Website


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